- Presse
- Pressemeldungen
- Aus Japan nach Bremen
Aus Japan nach Bremen: Wie Manabu Fukui eine zweite Heimat durch die Forschung findet
Was als berufliche Unternehmung begann, wurde zu einer Erfahrung fürs Leben. Als Prof. Dr. Manabu Fukui seine kleine ländliche Stadt in Japan verließ, um 1994 das erste Mal nach Bremen zu reisen, war nur ein kurzer Forschungsaufenthalt geplant. Drei Jahrzehnte später schaut er zurück, wie Bremen und das Bremer Max-Planck-Institut (MPIMM) ein zweites Zuhause wurden, das nicht nur seine Karriere, sondern sein ganzes Leben geprägt haben.
Von Küste zu Küste, über Kontinente hinweg
„Als ich das erste Mal hier ankam, hätte ich mir niemals ausgemalt, welche Rolle Bremen in meinem Leben spielen wird”, erinnert sich Fukui. „Was ursprünglich als einmaliger Besuch geplant war, entpuppte sich bald als Beginn einer langen und nachhaltigen Verbindung mit der Stadt.“
Damals war Fukui ein junger Wissenschaftler, schüchtern und still. Am Beginn seiner Karriere war er auf die Forschungen von Friedrich Widdel und Bo Barker Jørgensen, den Gründungsdirektoren des Bremer Max-Planck-Instituts, gestoßen. „Ihre Forschungsthemen, vor allem die Sediment-Mikrobiologie, überschnitten sich mit meinen Interessen“, erinnert er sich, was in seinerzeit dazu motivierte, sich für ein staatliches Stipendium zu bewerben und die Reise nach Bremen anzutreten.
Heute ist Manabu Fukui nicht mehr der schüchterne Forscher von damals. Er ist ein Wissenschaftler, dessen Karriere durch jahrzehntelange internationale Zusammenarbeit geprägt wurde. Während er sich nun auf eine neue Lebensphase vorbereitet, nutzt er hier die Gelegenheit, zurückzublicken auf seine wissenschaftliche Arbeit ebenso wie auf persönliche Erlebnisse und Erfahrungen, die Bremen zu einem zweiten Zuhause gemacht haben.
Ein herzlicher Empfang in einer neuen Welt
Fukuis erster Eindruck von Bremen war ebenso unerwartet wie unvergesslich. Wenige Tage nach seiner Ankunft wurde er eingeladen zu Kohl und Pinkel, einer regionalen Spezialität, die ihn einigermaßen ratlos machte. „Ich wusste nicht, was Kohl und Pinkel bedeutet, deswegen schlug ich im Wörterbuch nach. Kohl war einfach, aber Pinkel – das stand da nicht. Der erste Bissen war ein ziemlicher Schock,“ erinnert er sich fröhlich.
Abgesehen von den seltsamen Geschmäckern und Traditionen war es die Freundlichkeit der Menschen um ihn herum, die diesen Tag wirklich unvergesslich machte. Die Sekretärin des MPIMM, Ulrike Tietjen, und die Forscherin Carol Arnosti begrüßten ihn auf Japanisch – eine kleine, aber bedeutsame Geste, die half, sich gleich heimisch zu fühlen. „Ich war damals der einzige Forscher aus Asien am Institut. Das MPIMM war ein kleiner, familiärer Ort, ganz anders als das große, internationale und interdisziplinäre Institut, das es heute ist.“
Tatsächlich war das MPIMM damals noch nicht einmal in einem eigenen Gebäude untergebracht, sondern zur Miete im Bremer Innovations- und Technologiezentrum (BITZ), einem Raum für Start-ups und Forschungsprojekte. Die kleine, heimelige Atmosphäre mit kaum fünfzig Mitarbeitenden machte es leicht, Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Abteilungen kennenzulernen und mit ihnen unkompliziert zusammenzuarbeiten.
Viel mehr als Arbeit
Friedrich (Fritz) Widdel, damals Direktor des Instituts, wurde zu einem besonders wichtigen Mentor. Fukui erinnert sich gerne an einen Neujahrsabend in Fritz Widdel’s Wohnung in Findorff: „Ich hatte gerade begonnen, Zwiebeln und Sellerie für die Suppe zu schneiden. Aber Fritz hatte das Fleisch im Institutskühlschrank vergessen. Sofort düste er mit dem Fahrrad los, um es zu holen. Typisch Fritz!“ erinnert sich Fukui lachend. Gemeinsam sahen sie sich Dinner for One an und verbrachten mit Eis und Cognac einen lustigen Abend — dieser Moment versinnbildlicht die Verbindung von Forschung und Freundschaft.
Wissenschaftlicher Fortschritt und Kooperation
Am Max-Planck-Institut beschäftigte sich Fukui mit Desulfonema, einem sulfatreduzierenden Bakterium, das als extrem schwer zu kultivieren galt. Dennoch gelang es Fukui, eine neue Art aus Schlamm aus Japan und Deutschland zu isolieren. Er erlernte neuartige Techniken, etwa Enzymtests für anaerobe Bakterien und Fluorescenz in-situ Hybridisierung (FISH). Das kooperative Umfeld am MPIMM mit modernster Ausstattung und hochqualifizierten Kolleginnen und Kollegen war entscheidend für seinen Erfolg. „In Bremen konnte ich von Expertinnen und Experten lernen, die gleich nebenan saßen“, sagt er. Seine Arbeit führte zur Entdeckung von über vierzig neuen Bakterienarten, darunter Desulfosarcina widdelii, ein ölfressendes sulfatreduzierendes Bakterium, das er zu Ehren seines Mentors Friedrich Widdel benannt hat.
Kontinente verbinden
Über seine eigenen Arbeiten hinaus stärkte Fukui auch die akademischen Verbindungen zwischen Bremen und Japan, indem er Studierende aus Japan ans MPIMM schickte und Austauschprogramme organisierte. Sein Vermächtnis geht über die reine Forschung hinaus, es umfasst auch die internationale Zusammenarbeit.
Ein Blick nach vorn
Nun bereitet sich Fukui auf einen neuen Lebensabschnitt vor und freut sich darauf, mehr Zeit für seine Interessen jenseits des Labors zu haben. Er will wandern gehen, sich dem Amateurfunk widmen und als Gastprofessor in Tokio unterrichten. „Es ist Zeit, den Staffelstab weiterzugeben”, sagt er. „Ich vertraue sowohl die Forschung als auch die Lehre der nächsten Generation an. Und wenn sie meinen Rat suchen, stehe ich gerne mit meiner Erfahrung zur Seite.“